Präventionsprojekte zum Schutz vor sexuellem Missbrauch von Kindern auch im Panketal

Ich mag Tante Karin keinen Kuss geben!“ Die fünfjährige Mia verzieht das Gesicht und wendet den Kopf weg. Der Mutter, die die Kleine gerade aus der Kita abgeholt hat, um mit ihr und der besten Freundin Eis essen zu gehen, ist das sichtlich peinlich und Karin steht für einen Moment sprachlos da. Was ist nur in die Kleine gefahren? Sie beugt sich zu dem Mädchen hinab. „Ja, hast du mich denn gar nicht mehr lieb?“ Mia sieht die Mutter an, dann Tante Karin. „Doch, hab ich, aber du schmierst mich immer mit deinem Lippenstift an…“ Mia wischt sich mit den Händen über die Wangen, als müsse sie die grellrote Farbe wegwischen. „Clara hat gesagt, wenn sie etwas nicht will, dann sagt sie es ganz laut!“, fährt das Kind fort und erzählt den beiden Frauen von dem Puppenspiel, das es heute in der Kita gesehen hat. Nachdenklich geworden, verzichtet Karin auf den geforderten Zuneigungsbeweis. Sie selbst ist kinderlos und nie auf den Gedanken gekommen, dass sich die Kleine bei ihren Zärtlichkeiten unwohl fühlen könnte. – Eine alltägliche Situation, in der die Erwachsene richtig reagiert und den Willen des Kindes respektiert hat. Mia wird es sich merken und auch beim nächsten Mal sagen, wenn ihr etwas nicht gefällt. Ein kleiner, aber wichtiger Schritt, um sich vor dem zu schützen, was sie in ihrem Alter noch nicht versteht. Es ist ein Tabu-Thema, über das ungern öffentlich gesprochen wird: sexueller Missbrauch von Kindern. Laut Statistik steigt die Zahl der Fälle von Jahr zu Jahr, obwohl ein großer Teil entweder nicht erkannt oder nicht zur Anzeige gebracht wird und die Dunkelziffer dementsprechend hoch ist.

Die Präventionsarbeitet richtet sich an Kitas, Horte und Schulen. Wer die Verantwortung allein auf die Kinder abschiebt, denkt zu kurz. Wirksamer Schutz ist nur im Zusammenspiel von Eltern, Erzieher*innen und Erzieher und Kindern zu erreichen. Teil des Präventionsprojektes ist es, das Selbstbewusstsein der Kinder bereits im Kleinkindalter zu fördern und zu stärken. „Auch das Nein-Sagen muss ein Kind erst lernen. Daher ist es besonders wichtig, dass die Eltern mitziehen und Entscheidungen ihres Nachwuchses nicht abtun, sondern akzeptieren. Darauf basiert diese Art von Prävention. Mit DREIST e.V., einem 1997 gegründeten Verein, der anerkannter Träger der freien Jugendhilfe und u.a. Mitglied im Brandenburger Netzwerk zur Prävention von sexuellem Missbrauch und der Berliner Fachrunde gegen sexuellen Missbrauch ist, kooperiert mit Einrichtungen im Landkreis Barnim. Für die Vier- bis Achtjährigen ist „SpielGrenze“ und SpielGrenze+ konzipiert. Beides sind Gesamtpackete, die sich erst an die Erwachsenen wie Erziehe*rinnen und Eltern und beispielhaft an die Kinder richtet. Für Kinder ab der 3. Klasse gibt es „GrenzWerte“, wo auch die Gefährdungen durch das Internet thematisiert werden. In dem Projekt wird sich ebenfalls an das erwachsene Umfeld und dann mit einem interaktiven Theaterstück an die Kinder gerichtet. Anmeldungen für 2020 und weitere Informationen zur Präventionsarbeit und Kontakt unter: www.dreist-ev.de

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